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Ab morgen beginnt die Krisenübung zur Afrikanischen Schweinepest  (ASP) unter der Leitung des Bundesagrarministeriums, da die Seuche vor allem durch Wildschweine jederzeit nach Deutschland überspringen könnte. Daher bereiten sich die Landkreise auf den Ernstfall vor.

Im Kreis Minden-Lübbecke wurden Schweinehalter kürzlich ermahnt, ihre Tiere sorgfältig zu beobachten und dem Veterinäramt Auffälligkeiten wie Fieber oder Apathie sofort zu melden. Kreisssprecherin Sabine Ohnesorge sagte außerdem: "Der Tierhalter ist verpflichtet, bei unklaren Erkrankungen seiner Schweine möglichst frühzeitig seinen Haustierarzt einzuschalten. Dieser kann Blutproben zum Ausschluss von Tierseuchen, wie z.B. der Afrikanischen Schweinepest nehmen - hierfür gibt es ein Frühwarnsystem. Wenn nötig, sind kranke Schweine von gesunden zu separieren. Das schuldhafte Verschleppen von Tierseuchen kann eine Ordnungswidrigkeit nach den Vorschriften des Tiergesundheitsgesetzes darstellen".
Trete ein Verdachtsfall ein, entnähmen die Tierärzte den Schweinen Blutproben oder ließen frisch verendete Tiere untersuchen. "Sollte ein Ausbruch der Erkrankung festgestellt werden, werden sowohl für den betroffenen Betrieb als auch für sog. gefährdete Zonen Sperrbezirk und Beobachtungsgebiete angeordnet."

Für den Betrieb, auf dem die Seuche festgestellt wurde, gebe es eine Bestandssperre: Alle betroffenen Schweine müssten getötet und der Stall gereinigt und desinfiziert werden, erklärte die Kreissprecherin. Im Sperrbezirk, mindestens 3 km Radius, werden alle weiteren Betriebe auf Anzeichen der Schweinepest untersucht.

Außerdem gelten für mindestens 40 Tage Verbringungsverbote: "Alle Tiere müssen in dieser Zeit dort bleiben, wo sie sind und es dürfen keine neuen Schweine in die Ställe eingestallt werden. Auch nach Ablauf dieser 40 Tage ist ein Verbringen nur in Ausnahmefällen möglich".

Für das Beobachtungsgebiet (Radius 10 km) seien ebenfalls Verhaltungsverbote für mindestens 30 Tage vorgesehen. In beiden Gebieten würden zudem auffällige Schweine per Blutprobe untersucht. Werde die Schweinepest bei einem Wildschwein festgestellt, würden diese Tiere intensiv bejagt, sagt Frau Ohnesorge.

Bei Seuchenausbruch befürchten die Landwirte schwere finanzielle Schäden. "Entschädigungen durch die Tierseuchenkasse werden i. d. R. nur für das Seuchengehöft geleistet. Sie betreffen lediglich die getöteten Schweine sowie die damit im Zusammenhang stehenden Kosten", erläutert Frau Ohnesorge. "Entschädigungen werden allerdings nur dann in vollem Umfang gezahlt, wenn der betroffene Tierhalter nicht gegen einschlägige tierseuchenrechtliche Vorschriften verstoßen und seine Tierseuchenkassenbeiträge in vollem Umfang geleistet hat."

Die übrigen Schweinebauern, deren Höfe z.B. im Sperrbezirk lägen und wirtschaftliche Einbußen durch Einschränken des Verbringens hätten, würden nicht entschädigt werden. D.h., dass die Schweine schlachtreif wären, den Hof aber nicht verlassen dürfen. Die Tiere müssten weiterhin auf Kosten des Landwirtes gefüttert werden, während ihr Marktwert wegen unerwünschter Übergewichte täglich sinkt". Landwirte können sich allerdings gegen einen solchen Fall privat versichern", sagt Ohnesorge.

Mindestens 45 Tage müsse ein Sperrbezirk frei von Schweinepest-Fällen sein, damit die Landwirte wieder Schweine transportieren bzw. vermarkten dürften.

Ein weiterer Grund weshalb die ASP so gefährlich bleibt, ist, weil es bislang keinen Impfstoff gibt und die angestiegenen Wildschweinbestände die Seuche weiterverbreiten. "Ich bin davon überzeugt, dass ein Ausbruch der Seuche Betriebe und Arbeitsplätze gefährden - und das nicht nur in der Landwirtschaft", befürchtet Joachim Schmedt.

Der Dielinger ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Gemeindeverbandes Stemwede. "Es wird Jahre dauern, bis sich die Situation wieder stabilisiert hat. Wir werden massivste wirtschaftliche Einbrüche auf allen Ebenen der Produktion erfahren. Wahrscheinlich in einem Umfang, den sich viele zurzeit nicht vorstellen können".

Es besteht für die Schweinevermarktung ein Zeitfenster von max. einer Woche. "Wo sollen die Ferkel und Schweine bleiben? Die Ställe werden überquellen. Das hat mit Tierschutz nichts mehr gemein", so Schmedt.

Und sei eine betroffene Region dann schweinefrei, würden vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche dies mit aller Härte zu spüren bekommen. "Landhändler und Futtermittelhersteller verkaufen kein Futter, Spediteure brauchen es nicht zu transportieren. Wird kein Futter verkauft, braucht auch kein Getreide eingekauft werden", sagt Schmedt und fragt, ob es nicht an der Zeit wäre, Impfstoffe zu entwickeln.

(Text: top agrar online)
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